Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Kreis Groß-Gerau e. V.

Menschen betrachten und analysieren ein Radverkehrskonzept.

Forderungen und Lösungsvorschläge: Das Strategiepapier zur Mobilitätswende

Zur Ausgestaltung der Mobilitätswende und effizienten Förderung des Radverkehrs braucht es ein strukturiertes System. Hierzu hat der ADFC Thüringen ein Strategiepapier erarbeitet, das am 7.6.2026 Verkehrsminister Steffen Schütz überreicht wird.

Mobilität ist eine grundlegende Voraussetzung für Teilhabe und somit eine wichtige Zukunftsfrage unserer Gesellschaft. Dem Radverkehr kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu: Er kann große Teile der Nahmobilität abdecken, unsere Städte und Infrastruktur vom motorisierten Individualverkehr entlasten und unsere Orte im ländlichen Raum so miteinander vernetzen, dass sie wieder lebendiger werden. Dabei ist er platzsparend und funktioniert auf einer vergleichsweise günstigen Infrastruktur. Radfahren ist fast jedem möglich, erschwinglich, gesund, leise und umweltfreundlich.

Das Thüringer Radverkehrskonzept 2.0 aus dem Jahr 2017 trägt der Bedeutung des Radverkehrs Rechnung, indem es wichtige Maßnahmen zu seiner Förderung und eine deutliche Steigerung des Radverkehrsanteils in Aussicht stellt. Als Zwischenziel hierfür hat es einen Zuwachs ausgehend von 7 % im Jahr 2017 auf 12 % im Jahr 2025 festgesetzt. Dieses Ziel wurde verfehlt: Nach den aktuellsten Zahlen lag Thüringen 2023 bei 6 % Radverkehrsanteil.

Diese Stagnation deckt sich mit der Stagnation beim Ausbau der für die Verkehrswende wichtigen Radverkehrsinfrastruktur: Mit 779 km überörtlichen Radwegen an seinen 8.951 km Bundes-, Landes- und Kreisstraßen (Anteil: 8,7 %) belegt Thüringen den letzten Platz im Ländervergleich. Maßgebliche Anstrengungen, diesen Platz zu verlassen, sind nicht zu erkennen. So wurden in den vergangenen 15 Jahren jährlich etwa 8,4 km Radwege an Thüringer Bundes-, Landes- und Kreisstraßen gebaut, was einem Längenanteil von knapp 0,1 % entspricht. Nach eigenen Angaben liegt die Kapazität des Thüringer Landesamtes für Bau und Verkehr (TLBV) auch zukünftig bei lediglich 8 km pro Jahr. 

Anders der bundesdeutsche Trend: Hessen, mit einem Anteil von 13 % Radwegen an überörtlichen Straßen, hat die Zeichen derZeit erkannt und verstärkt die finanziellen und personellen Ressourcen für den Radwegebau deutlich. Hamburg hat in den vergangenen sechs Jahren jährlich ca. 57 km Radwege gebaut. Leipzig hat seine bereits hoch gesteckten Ziele erreicht und nun anspruchsvollere gesetzt; der Erfolg umgesetzter Maßnahmen motiviert, die Ausgaben für Radverkehr sollen von 9 € / Einwohner und Jahr sukzessive auf 30 € / Einwohner und Jahr steigen. Zum Vergleich: Thüringen investiert an überörtlichen Radwegen 0,57 € / Einwohner und Jahr. Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg verfolgen anspruchsvolle Programme, und Bundesländer mit bereits hohem Anteil an überörtlichen Radwegen haben auch prozentual einen Zuwachs, der deutlich über den Thüringer Zielstellungen liegt. 

Die Thüringer Landesregierung erkennt die Bedeutung des Radverkehrs und die in Thüringen bestehenden Defizite an. Im Regierungsvertrag ist vereinbart, mehr in den Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur zu investieren. Diese Vereinbarung sollte ambitioniert angegangen werden, um Vertrauensverlust der Bürgerinnen und Bürger in die Handlungsfähigkeit der Landesregierung und der Verwaltung zu vermeiden.

Eine wesentliche Voraussetzung hierfür ist ein struktureller „Wind of Change“ in der Verwaltung - weg von der Straßenfokussierung, hin zu einer modernen, gleichberechtigten Mobilitätsplanung. Die Mobilitätswende sollte nicht nur beschrieben, sondern in die Praxis umgesetzt werden. Dies erfordert eine effiziente Strategie. Im Folgenden werden aus Sicht des ADFC Thüringen bestehende Hürden aufgezeigt - und Möglichkeiten, diese zu überwinden:

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