Wenn der Fußweg ein Irrweg ist

 

Aktionstag gegen Radfahren auf Gehwegen am 7. Mai 2022

 

Gehwegradeln
Gehwegradeln © ADFC Kreis Groß-Gerau

Radfahren auf Gehwegen kann andere Verkehrsteilnehmende gefährden und ist daher grundsätzlich verboten. Es gibt nur wenige Ausnahmen: Kindern bis zehn Jahren ist es erlaubt oder wenn ein Schild dies ausdrücklich gestattet. Der Sinn des Verbotes besteht darin, Unfälle und Behinderungen zu vermeiden. Weil aber trotzdem häufig zu beobachten ist, dass auf Gehwegen rücksichtslos Rad gefahren wird, haben der ADFC Stadt Groß-Gerau und das Forum Verkehrswende Groß-Gerau zusammen mit Bürgermeister Erhard Walther am Samstag, 7. Mai 2022, zwischen 10 und 12 Uhr zu einem Aktionstag gegen das Radfahren auf Gehwegen in der Darmstädter Straße, nahe dem Marktplatz, aufgerufen. Dabei sollen Informationen über die Gefahren des „Gehwegradelns“ und die rechtliche Situation vermittelt werden – auch durch die freundliche, aber direkte Ansprache falsch fahrender Personen.

 

Die rechtliche Situation und die tatsächlichen Gefahren

Wenn Gehwege nicht durch ein Schild für den Radverkehr freigegeben sind, dürfen diese nur zu Fuß benutzt werden. Ausnahme: Radfahrende Kinder bis zum vollendeten 8. Lebensjahr müssen, bis zum vollendeten 10. Lebensjahr dürfen auf Gehwegen fahren. Erwachsene dürfen Kinder bis zum vollendeten 8. Lebensjahr auf dem Gehweg begleiten.

Wer auf Gehwegen ordnungswidrig mit dem Rad oder mit einem E-Scooter unterwegs ist, muss entweder absteigen oder auf die Fahrbahn ausweichen. Wird der Gehweg unerlaubt befahren, droht ein Bußgeld zwischen 55 und 100 Euro.

Eine Falschfahrt auf dem Gehweg halten zwar viele – nicht immer faktengestützt – für weniger gefährlich als die Fahrbahnbenutzung. Kommt es aber dabei zu einem Unfall, könnten die Gerichte dem Radfahrenden die alleinige Schuld geben.

Gegenstand von Gerichtsverhandlungen sind Zusammenstöße zwischen Fußgänger*innen und Radfahrenden aber eher selten. Häufiger ist hier der Fall, dass Radfahrende auf Gehwegen mit Kraftfahrzeugen kollidiert sind, mit denen sie nicht gerechnet haben. Kommen Autos aus Tiefgaragen, von Tankstellen, Parkplätzen oder anderen Grundstücken dürfen sie den Gehweg queren – allerdings nur mit äußerster Vorsicht. Gelingt Autofahrenden der Nachweis, dass sie im Schritttempo oder noch langsamer über den Gehweg gefahren sind, sieht das Gericht die Schuld überwiegend bei den Radfahrenden.

Ganz schlecht stehen die Chancen auf Schadensersatz, wenn Radfahrende vom Gehweg kommend eine Seitenstraße queren. Autos haben dann Vorfahrt; rechts vor links gilt für den Gehweg nicht. Und auch ein von der Hauptstraße abbiegender Autofahrer muss nicht mit einem Radfahrer rechnen, der unerlaubt auf dem Gehweg fährt und seinen Weg kreuzt.

 

Ursachen sind Unwissenheit, Gedankenlosigkeit – und das Übergewicht der Autos

Dass sich Fußgänger*innen auf dem Gehweg durch Radfahrende bedrängt und gefährdet fühlen, muss nicht eigens erläutert werden. Doch warum wird eigentlich so oft auf Gehwegen Rad gefahren? „In der Regel handelt es sich entweder um Personen, die sie sich auf der Fahrbahn unsicher fühlen oder um solche, die aus Unwissenheit oder Gedankenlosigkeit rücksichtslos handeln“, sagt Norbert Sanden vom ADFC Stadt Groß-Gerau.

„Eine zusätzliche Ursache ist jedoch, betont Sanden, „das Übergewicht des fahrenden und parkenden Autoverkehrs, der weiterhin den Löwenanteil der Verkehrsflächen beansprucht und den Fuß- und Radverkehr an den schmalen Rand der Straßen drängt – was dort unweigerlich zu Konflikten führt.“

Groß-Geraus Bürgermeister Erhard Walther gibt zu bedenken: „Das Gebot der Rücksichtnahme, das in der Straßenverkehrsordnung verankert ist, gilt für alle Verkehrsteilnehmer gleichermaßen und ist die wesentliche Anforderung für Sicherheit. Gelassenheit und sich zurückzunehmen würde es allen leichter machen. Denn Regeln beachten erleichtert den Verkehrsfluss.“

 

Konstruktive Ansätze zur Lösung des Problems

Durch die weitere Verbesserung der Infrastruktur für den Radverkehr in Groß-Gerau, insbesondere durch breite und durchgängige Radwege, die Markierung von Schutz- oder Radfahrstreifen auf der Fahrbahn und durch Fahrradstraßen, aber auch durch die Ausweitung von Tempo-30-Bereichen und den seitlichen Überholabstand von mindestens 1,5 Metern zu Fahrrädern würde die objektive und subjektive Verkehrssicherheit für Radfahrende erhöht. Beate Drodt vom Forum Verkehrswende erwartet, „dass dadurch mehr Menschen das Rad nutzen und die Beeinträchtigung des Fußverkehrs spürbar abnimmt.“

Wer etwas gegen das Radfahren auf Gehwegen unternehmen möchte, darf gleichzeitig zu Verkehrsgefährdungen durch falsch parkende Fahrzeuge nicht schweigen. „Rücksichtsloses, behinderndes und gefährliches Parken auf Geh- und Radwegen sowie in Kreuzungsbereichen darf nicht geduldet, sondern muss geahndet werden. Denn durch blockierte Geh- und Radwege werden insbesondere Kinder und Senior*innen immer wieder in gefährliche Situationen gezwungen“, fordert Drodt.

Die Initiatoren des Aktionstages sprechen sich für die Eindämmung und Sanktionierung des unberechtigten Befahrens und Parkens auf Geh- und Radwegen aus.

 

Aktionstag gegen das Radfahren auf Gehwegen

  • Samstag, 7. Mai 2022 – 10 bis 12 Uhr
  • Darmstädter Straße, Ecke Elisabethenstraße (am Marktplatz), Groß-Gerau
  • Initiatoren: ADFC Stadt Groß-Gerau, Forum Verkehrswende Groß-Gerau, Bürgermeister der Stadt Groß-Gerau Erhard Walther

 


https://kreisgg.adfc.de/neuigkeit/wenn-der-fussweg-ein-irrweg-ist

Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer*in achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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  • Was ist der Unterschied zwischen Pedelecs und E-Bikes?

    Das Angebot an Elektrofahrrädern teilt sich in unterschiedliche Kategorien auf: Es gibt Pedelecs, schnelle Pedelecs und E-Bikes. Pedelecs sind Fahrräder, die durch einen Elektromotor bis 25 km/h unterstützt werden, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h regelt der Motor runter. Das schnelle Pedelec unterstützt Fahrende beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Damit gilt das S-Pedelec als Kleinkraftrad und für die Benutzung sind ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und eine Fahrerlaubnis der Klasse AM sowie das Tragen eines Helms vorgeschrieben. Ein E-Bike hingegen ist ein Elektro-Mofa, das Radfahrende bis 25 km/h unterstützt, auch wenn diese nicht in die Pedale treten. Für E-Bikes gibt es keine Helmpflicht, aber Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und mindestens ein Mofa-Führerschein sind notwendig. E-Bikes spielen am Markt keine große Rolle. Dennoch wird der Begriff E-Bike oft benutzt, obwohl eigentlich Pedelecs gemeint sind – rein rechtlich gibt es große Unterschiede zwischen Pedelecs und E-Bikes.

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  • Gibt es vom ADFC empfohlene Radtouren für meine Reiseplanung?

    Wir können die Frage eindeutig bejahen, wobei wir Ihnen die Auswahl dennoch nicht leicht machen: Der ADFC-Radurlaubsplaner „Deutschland per Rad entdecken“ stellt Ihnen mehr als 165 ausgewählte Radrouten in Deutschland vor. Zusätzlich vergibt der ADFC Sterne für Radrouten. Ähnlich wie bei Hotels sind bis zu fünf Sterne für eine ausgezeichnete Qualität möglich. Durch die Sterne erkennen Sie auf einen Blick mit welcher Güte Sie bei den ADFC-Qualitätsradrouten rechnen können.

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